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Zum Tode von Peter Brook

Liebe (Musik-)Theater-Freunde,

gerade ist er gestorben: mit 97 Jahren.

Peter Brook gehörte zu den prägenden Regisseuren des Theaters des 20. Jahrhunderts. In seiner Bedeutung ist er nur mit Wieland Wagner vergleichbar, dessen Wirken weit über die Oper hinaus reichte.

Seltsam: Als ich vor zwei Wochen einen Vortrag in Zürich hielt, kam ich – ganz unbewusst – auf Peter Brook. Nämlich so: Zwei Zuhörer vertraten die Meinung dass 1. der Baum in der Walküre auf keinen Fall abgeräumt werden dürfe, weil er eine „symbolische Bedeutung“ habe, und 2. „man“ die Werke „genau so inszenieren müsse wie der Autor es vorgegeben habe“ (dies der ungefähre Wortlaut). Die Debatte, deren Verlauf man inzwischen zur Genüge kennt, wurde glücklicherweise vom Veranstalter abgeblockt: Neues ist oder scheint da nicht mehr sagbar zu sein.

Und doch gibt es immer noch Argumente, die man den ewig Unbelehrbaren, also den Anhängern eines „tödlichen Theaters“, nahebringen kann. Peter Brook veröffentlichte, basierend auf Vorlesungen, vor 54 Jahren ein Buch, das heute immer noch so wichtig ist wie damals: The empty space – Der leere Raum. Wer wissen will, was das tödliche Theater ist und wie schwer und zugleich wie beglückend die Erkundung des lebendigen und lebensspendenden Theaters ist, sollte zum Buch greifen – auch und gerade jene Theaterbesucher, die „nur“ in die Oper gehen. Ich habe ein paar Sätze aus dem ersten Teil des Buchs herauskopiert, die zumindest Wesentliches über jenes Theater sagen, das sich die Freunde der sog. Werktreue herbeiwünschen – was nicht bedeutet, dass das Theater, das es partout „anders“ macht, das richtigere Theater ist. Der Fall bleibt kompliziert – und unabschließbar. Und auch dies ist eine Lehre aus Brooks tiefgründigen Überlegungen.

Brook, der vor Allem in seinen Anfangsjahren einige Opern inszeniert hat, bevor er als Schauspielregisseur und -erneuerer weltberühmt wurde, hat sich an einer Stelle seiner Vorlesungen übrigens auch über Wagner geäußert. In Zusammenhang mit Antonin Artauds wildem Theater fragt er, ob uns „Artaud mit seiner Leidenschaft zurück zu einer Unterwelt, fort vom Licht – zu D.H. Lawrence und Wagner“ zerren würde, hin zum „Kult des Unsichtbaren“, des „Anti-Intelligenten“?

Interessant, dass Brook Wagner mit Lawrence parallelisiert und eine Sicht auf Wagner hat, die eher das Archaische als das Aufklärerische betont. Auch das ist möglich – umso wichtiger, immer wieder das Problem der Wagner-Regie zu durchdenken, wie es Wieland Wagner viele Jahre lang tat.

Beste Grüße

Ihr

Theater-Freund

Frank Piontek

Ps: ich erinnere mich noch gut an eine Hamlet-Essenz-Fassung von Brook, Berlin, ca. 2000: Qui est là, Auf der kleinen Bühne: weniger als ein halbes Dutzend Schauspieler (darunter Anne Bennet) und wenige Stühle.

Nichts fehlte. Hamlet war da

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