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Foucault, Chereau und der „Ring“

Michel Foucault
Patrice Chereau

Werte Musik- und Soziologie- und Philosophiefreunde,

wäre er nicht schon 1984 gestorben, würde er heute seinen 95. Geburtstag feiern: Michel Foucault. Der große Philosoph und Historiker dürfte zumindest eine gewisse Unsterblichkeit errungen haben, denn seine Schriften waren einmal „Mode“. Mit seiner „Archäologie des Wissens“ in der Tasche konnte man nicht viel verkehrt machen, wenn man nach dem Grund und dem Charakter des „Wissens“ fragte. Seine Schriften zu Sexualität und Wahrheit und seine kriminalhistorischen Untersuchungen haben, wenn wir sie denn lasen, unsere Sinne für die Abgründe der Macht und des Begehrens geöffnet – doch auch für ethische Interpretationen einer menschenfreundlichen Sorge um sich selbst.

Taucht Wagner irgendwo in seinem Werk auf? Ja! Denn in der monumentalen Ausgabe seiner Schriften wurden ein  Gespräch mit Foucault und ein kleiner Aufsatz dokumentiert, in denen es um den Ring, konkret: um Chéreaus und Boulez‘ Bayreuther Ring-Inszenierung (ein Beitrag zum Thema „Die Macht und das Begehren“) geht. Foucault hat sich dezidiert dazu geäußert: zuerst 1978 in der japanischen Zeitschrift Sekai unter dem Titel Die Bühne der Philosophie.

Foucaults Gedanken, aus denen ich einen Ausschnitt anhänge, sind zeitlos gültig: für jede Ring-Interpretation. Denn der gelegentliche Hinweis auf Inszenierungen, bei denen man (angeblich) die Augen zumacht oder der Meinung ist, dass die Bühne „nicht störe“ oder „störe“, verweisen auf ein Problem, von dem nicht immer klar ist, ob es die Bühne oder den Zuschauer betrifft… Denn schließlich komponierte Wagner ja kein Hör-Spiel.

Beste Grüße also aus Bayreuth: dem „alten“ und dem neuen.

Frank Piontek

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