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Strauss – Capriccio – Oper und Drama

Liebe Opernfreunde,

heute vor 71 Jahren dirigierte der große Richard Strauss zum letzten Mal; er nahm für den Bayerischen Rundfunk seine wunderbare Mondscheinmusik aus dem Capriccio auf. Hier kann man’s hören:

In Capriccio wird bekanntlich die Frage verhandelt, was wichtiger sei: Ton oder Wort? Wagner hat sich auf vielen Seiten mit dieser elementaren Frage beschäftigt, wovon nicht allein seine theoretische Monumentalschrift Oper und Drama zeugt. Strauss wiederum bezeichnete das Buch, von dem Wagners Bekannter, der Dramaturg Eduard Devrient, behauptete, dass es „so klug“ sei, „dass es darüber dumm wird“ (womit er, glaube ich, im Fokus der Musik- und Operngeschichte das Ge-Rechte traf) – Strauss also bezeichnete Oper und Drama als das „Buch aller Bücher über Musik“. In Zusammenhang mit Capriccio finde ich nun einen Hinweis nicht auf die große Schrift, sondern auf eines der Pariser Feuilletons, das ich kürzlich zitierte. In einem Gegenszenarium zu Joseph Gregors Capriccio-Szenarium, das Strauss am 7. Oktober 1939 an den unglücklichen Librettisten schrieb, lese ich nämlich:

„Das große Streitensemble müßte mit der Einführung des Italienerduetts beginnen, an dessen Kritik die Debatten beginnen. Comtesse findet auch dies in seiner Art recht hübsch, bewundert die schönen Stimmen! Direktor erklärt, daß diese für die Oper das Entscheidende seien: ‚bedenken Sie, nach dem berühmten Rubinitriller in der Oktavio B-dur-Arie des Don Giovanni mußte die Cadenz, von Publikum stürmisch verlangt, 5mal da capo gesungen werden.'“ Und Strauss notierte die angebliche Quelle für den berühmten Rubini-Triller: „Oper und Drama glaube ich.“ Was es nicht war, aber in direktem Zusammenhang mit Wagners Kritik an den „Roulade“-Exzessen der italienischen Opern-Arien und Opern-Sänger steht.

Am Ende von Capriccio bleibt die Entscheidung übrigens offen, ob der Dichter oder der Musiker bei der Gräfin Erfolg haben werden… Hätte Wagner diesen Schluss toleriert? Ich nehme es an.

Womit ich Sie auf die herrliche Oper selbst verweisen kann.

Mit besten Grüßen

Frank Piontek

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